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Mittwoch, 27. Mai 2015

Daughters of the rain and snow

Es regnet in Strömen. Seit 24 Stunden hören wir das gleichmäßige Klopfen des Regens auf unserem Autodach. Eigentlich wollten wir heute zu den Gletschern der Südinsel fahren. Eigentlich wollten wir uns vom schlechten Wetter nicht die Tour vermasseln lassen. Eigentlich.


Die Entscheiung steht fest. Wir werden in zwei Wochen in Taupo aus einem Flugzeug springen. Da ist das günstigste Angebot. Es wäre unvernünftig woanders zu springen, wir sprechen hier schließlich von einem Preisunterschied, der uns eine Woche ganz beqem ernähren könnte. Also in zwei Wochen dann, genug Zeit, um uns in absolute Panik zu denken.

Wir verlassen unseren Campingplatz in Richtung Franz-Josef Gletscher. Das bisschen Regen wird uns schon nicht stören, wir sind ja nicht aus Zucker. Wir wollen ja nur eine Stunde spazieren gehen, danach kann man sich ja wieder etwas trockenenes anziehen und sitzt im warmen Auto. Wir fahren also zum Gletscher, erreichen den Parkplatz... und fahren weiter.

Am nächsten Morgen begrüßt uns ein strahlend blauer Himmel. Und eine strahlend gelaunte Sarah. ¨Es ist der perfekte Tag zum Skydiven¨, ruft sie uns entgegen und lacht. Innerhalb von fünf Minuten hat sie uns mit ihrer wenn-nicht-jetzt-wann-dann Motivation angesteckt und wir hängen am Telefon. Wir wollen einen Termin vereinbaren. Um aus einem Flugzeug zu springen.

Der strömende Regen ist nahtlos in eine Weltuntergangsthematik übergegangen. Wir fahren durch die Wälder und bewundern jeden Fluss, der zum Platzen vollgelaufen ist. Wir haben unseren Plan geändert und wollen nun so schnell wie möglich Richtung Süden, nach Wanaka. An der Westküste der Südinsel gibt es nur eine einzige Straße. Was für eine Schande wäre es, wenn diese geschlossen werden müsste.

Wir sollen um 12 Uhr am Flughafen sein, also setzen wir uns noch in ein Café und frühstücken gemütlich. Ich habe Lasagne. Man gönnt sich ja sonst nichts. Am Airpot angekommen, setzen wir uns in einen Raum, wo uns erklärt wird, was wir eigentlich gleich machen. Wir müssen einige Papiere untrerschreiben und dürfen für unser eigenes Sprungvideo die Musik aussuchen. Ein kurzer Blick auf die Liste und ich weiß sofort was ich nehme: Oasis, Queen und U2. Die Klassiker. Bei Julia geht es genau so schnell, Sarah und Eva verzweifeln vollends und Sarah nutzt die nächste halbe Stunde, um sich durch jedes Lied zu probieren. Dann kommt der große Schock, mit dem wir zwar gerechnet, dessen Ausmaß wir dennoch unterschätzt hatten.

Wir fahren einer Straße entlang, die uns durch das Gebirge bringen soll. Aufgeregt zeige ich im vorbeifahren auf die Wasserfälle, die sich an den Straßenrändern entwickelt haben. Und dann plötzlich muss ich Eva nicht mehr darauf aufmerksam machen. Vor uns stürzt sich ein Wasserfall, der den Niagara-Fällen Konkurrenz macht, auf die Straße. Wir sind die ersten und wissen nicht, ob wir da jetzt durchkommen. Nach kurzer Absprache stellen wir fest, dass wir alle keine Ahnung haben und probieren über studieren geht. Also aufi, Handykamera an und Daumen gedrückt.


Wir müssen auf die Waage und was ich da sehe hat mich verändert. Nach neun Monaten intensiver Weißbrot- und Pizza-Diät macht sich das Ergebnis nun doch bemerkbar. Ab jetzt nur noch Äpfel und Möhren. Von dem Schock können wir uns leider nicht wirklich ablenken, denn der Wind ist stärker geworden und wir können nun doch nicht springen. Wir sollen in einer Stunde noch einmal anrufen, aber es sieht schlecht aus. Wir fahren also wieder in die Stadt rein und setzen uns in unser Lieblingscafé. Diesmal gibt es Salat mit Enttäuschung. Kein Skydive, kein Selbstbewusstsein.

Wir haben den Wasserfall lachend überstanden und fahren weiter Richtung Wanaka. Doch schon bald werden wir wieder gestoppt. Ein Erdrutsch hat die Straße blockiert, es gibt keinen Weg durch den Matsch, der sich in sekundenschnelle ausbreitet.
Wir drehen also auf dem Absatz und fahren wieder durch den Wasserfall.Jetzt ist er nur noch halb so cool. Wir wollen wieder Richtung Norden um an die Ostküste zu kommen und generell finden wir die Westküste und das Wetter hier doof. Unterwegs nehmen wir noch einen Franzosen mit, der den Daumen rausgehalten hat; eine gute Tat kann auf unserem Karmakonto nicht schaden.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, denn wir wollen es noch einmal mit dem Skydive probieren. Pünktlich 8 Uhr stehen wir vorm Flughafen und sind bereit. Wird ja eh wieder nicht klappen. Pustekuchen, nach einer Stunde Wartezeit, sagen sie uns, dass wir uns diese wunderschöne Müllmann-Astronauten-Kombi anziehen sollen. Gesagt, getan und wir sehen großartig aus. Jetzt warten wir nur noch, dass das Flugzeug unsere Vorgänger rausschmeißt und landet und dann sind wir dran. Ich nehme mir schon eimal fest vor, während des Fluges nicht nach unten zu schauen.


Wir sitzen nun zu dritt in unserem Bulli und mit Sarah und Julia im Schlepptau fahren wir wieder Richtung Gletscher. Vielleicht wird es ja diesmal besser. Wir fahren und fahren und werden wieder gestoppt. Von einem übergetretenen Fluss. Das ist doch zum Mäuse melken. Nach kurzer Absprache haben wir wieder festgestellt, dass wir keine Ahnung haben, sind aber der Meinung, dass stehen bleiben und darauf warten, dass das Wasser komplett durchbricht nicht unbedingt eine Option ist. Langsam fangen wir an die Idylle Neuseelands zu verfluchen, denn im Umkreis von 60 Kilometern ist nicht eine Stadt. Wir müssen uns also zwischen Wasser und Erdrutsch entscheiden.

Das Flugzeug landet und ich lerne meinen Absprungpartner kennen. Wir nennen ihn Tingeltangelbob und mir ist noch nicht klar, ob es gut ist, dass er aussieht wie eine Figur von den Simpsons. Nett ist er auf jeden Fall und er hat die Ruhe weg. Während ich mit einem Dauergrinsen (denk an die Kamera!) im Flugzeug sitze und mir die Landschaft und meine drei Mitreisenenden anschaue, liest er ein Buch. Nach guten zehn Minuten sind wir auf Abspunghöhe. Ich sitze direkt an dem Rolltor, welches jetzt langsam aufgeht und schwupp, schaue ich nach unten. Toll.  Mein Kameramann klettert an den Rand des Flugzeugs und Tingeltangelbob schiebt mich zum Ausgang. Ein letzter Händedruck mit Sarah, ein Blick zu Eva. Julia kann ich nicht sehen, sie sitzt direkt hinter mir. Ich hänge mit den Beinen draußen, denke noch kurz ¨Öhm kalt¨ und weg bin ich.


Wir haben uns für den Erdrutsch entschieden und das war die richtige Entscheidung. Als wir dort ankommen, müssen wir nur noch eine halbe Stunde warten und schon ist die Straße frei. Wir sind auf dem Weg nach Wanaka, in unser nächstes Abenteuer.

Kommentare:

  1. Hey Julia... Ich bin gerade durch Zufall auf deinen Blog gestoßen...Erstmal muss ich Dir sagen, ich find es suuuuuper das du dir deinen Traum vom Reisen erfüllst... und uns alle dran Teil haben lässt !
    Aber eine Frage hab ich... Warum diese Teile in " kursiv" geschrieben und in " normal" ? Ist das beides von Dir geschrieben, oder als Partner Blog, also 2 Blogger ?

    Viele, viele Grüße ich les mich jetzt noch weiter bei dir durch :-)

    Isa

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    1. Hallo Isa,

      Ich freue mich sehr, dass dir mein Blog gefällt. Bei diesem Beitrag sind es zwei Geschichten, die sozusagen zusammengewoben wurden und das kursive soll nur deutlich machen, was zusammen gehört.
      Aber beides ist von mir geschrieben.

      Viele Grüße und viel Spaß beim Weiterlesen
      Jules

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